Sanierung

Die Sanierung eines Baudenkmals bedeutet zwangsläufig einen Eingriff in den historischen Befund und muss daher sehr sorgfältig geplant und mit Bedacht ausgeführt werden. Dies trifft besonders für einen reinen Holzbau wie den Fusenhof zu. Vom Kauf des Hofes bis zur Fertigstellung sind fast fünf Jahre vergangen, ohne dass es dabei zu Stillstand gekommen wäre. Die einzelnen Abschnitte lassen sich
wie folgt zusammenfassen:

Bauforschung und Grundlagenermittlung

Der bemerkenswert gute Erhaltungszustand des Hofgebäudes ist darauf zurückzuführen, dass es stets in der vorbestimmten Weise bewohnt und bewirtschaftet worden ist und fast keine technischen Neuerungen erfahren hat. Zu Beginn der 1980er-Jahre konnte eine angedachte Umwandlung zum Freilicht-museum nicht umgesetzt werden. In der Folge wurden Modernisierungen durch den Einbau von Sanitärräumen, einer Kaminanlage, neuer Fenster usw. vorgenommen. Im Rahmen dieser Maßnahmen hat der Hof jegliche Ausstattung wie die Innentüren, die Täfer, die Einbauschränke und das Rauchgewölbe verloren. Dennoch blieb die Grundgliederung, wie sie vor Jahrzehnten beschrieben wurde (Schilling+Schilli PDF) eines Dreisamtäler Hofes erhalten. Die Außenwände zeigen ein Holzgerüst mit Ständern, die über die Höhe beider Geschosse am Stück verlaufen. Wie bei den Häusern des Schwarzwalds üblich, sind auch die Wandfüllungen aus Holz gefertigt, gefügt aus Bohlen, Brettern, Kanthölzern und Kombinationen daraus. Sie sind in Nuten eingeschoben, die in die Ständer eingelassen sind. Dies erzeugt zahllose Vor- und Rücksprünge, die zusammen mit weiteren vortretenden Bauteilen wie Trippel, Kopfstreben, Fenstererkern, Zapfenschlössern, Holznägeln usw. ein lebendiges Licht und Schattenspiel entstehen lassen.

Die große Eckstube wurde mit einem Kachelofen und großzügigen Fensterbändern ausgestattet. Auch in konstruktiver Hinsicht hat dieser Raum eine besondere Behandlung erfahren, indem rundherum, oben und unten starke Bohlen Verwendung fanden. Für Decke und Boden konnte mittels einer keilförmigen, von außen einge-triebenen Schließbohle eine dichte Verspannung erzeugt werden. Die Decke ist in den Nuten gleitend gelagert und hält somit die horizontal angeordneten Wandbohlen dicht. Der Eckständer ist besonders stark bemessen und exklusiv als einziges Bauteil im Gebäude aus Eichenholz hergestellt worden. Auf der Innenseite ist darin eine Nische für den „Herrgottswinkel“ eingelassen.

Die Raumgliederung mit dem Wohnteil an der vorderen Schmalseite und dem Wirtschaftsteil dahinter folgt einem für das Dreisamtal typischen Schema, einschließlich eines charakteristischen Versprungs innerhalb der vorderen Schmal-seite. Von den zahlreichen Kammern im Obergeschoss liegen einige oberhalb des Stalls. Die meisten waren für das Gesinde bestimmt und nur über einen außenliegenden Gang, den Trippel, erreichbar. Der große Küchenraum reicht in der Höhe über beide Geschosse. Hier wurde der Rauch aus Herd und Ofen von einem Rauchgewölbe aufgefangen, wo er abkühlen und dann frei abziehen konnte, nicht ohne dabei die an der Decke hängenden Speckseiten und Würste zu räuchern. Der gewaltige Dachraum kann über eine Rampe und ein Hocheinfahrtstor befahren werden, um das ausgedehnte Heulager von oben her zu befüllen. Dort ist die Holzkonstruktion mit ihren hohen, bis zum First hinaufreichenden Ständern besonders eindrücklich.

Alle Details als Download hier:Fussehof.Bauforschung (PDF)

Schadensanalyse

Bei aller Begeisterung für den historisch überlieferten Befund, ist ein Holzbau nicht unendlich haltbar. Wenn, wie beim Fusenhof, so gut wie alle Grundschwellen abgefault waren, eine Art Quelle im Ökonomieteil plätscherte, durch Schädlingsbefall die Dachsparren spröde waren und in der Folge das Dach undicht zu werden begann, so war es an der Zeit, das Gebäude zu sanieren, um es für die nächsten Jahrhunderte zu sichern.

Auch das Dach musste erneuert werden. Vor Jahrhunderten waren Holzschindeln oder Stroh das typische Baumaterial. Heute sind Holzschindeln im Dreisamtal nicht mehr langlebig genug und sehr viele Höfe sind daher mit Asbestrauten gedeckt. Diese Deckung wurde entfernt, die Sparren als Radialsparren erneuert, eine flächige Galerieverglasung eingebaut und das Dach mit großen Alurauten der Fa. Prefa gedeckt.  Mit dieser Deckung wurde denkmalpflegerisches Neuland betreten und sie gilt schon jetzt als Referenz für zukünftige Sanierungen.

Beschrieben wird dies bereits in den Medien: 2018-05-04 dach+holzbau Fusenhof (PDF)

Das Hofgebäude war und ist ein Zeugnis des Beharrungsvermögens im Schwarzwälder Hausbau. Am Westrand des Mittelgebirges sind die urtümlichsten Ausprägungen anzutreffen; und dies nicht nur in abgelegenen Höhenlagen, sondern auch in der Ebene des Dreisamtals vor den Toren der Stadt Freiburg. In Konstruktion und Raumteilung weisen sie viele seltsam anmutende Merkmale auf, die nur durch das Festhalten an überkommenen Bauweisen zu erklären sind. Man hatte sie neuen Anforderungen gerade soweit angepasst, wie es sich nicht vermeiden ließ. Zugleich bot dieses Beharren aber die Möglichkeit, die Holzbauweise im Detail immer weiter zu perfektionieren, was sich in einer durchdachten Ausführung und in raffinierten Einzellösungen äußerte.

Dach

Denkmalgerechte Sanierung

Die Sanierung erfolgte unter dem Leitmotiv „Altes bleibt alt, Neues wird neu“. Traditionell wurden die Höfe aus Weisstanne errichtet und bis auf die Dachschalung wurde daher Weisstanne aus dem Schwarzwald verwendet. Auch alle Fenster und Türen sind aus diesem Holz, so dass neues Holz als solches sichtbar bleibt, denn nur so ist auch in Jahrzehnten die Sanierung ablesbar. Beim Innenausbau wurden die Einbauten aus den 80er-Jahren komplett herausgenommen und denkmalverträglich ersetzt. Hier war das Ziel nicht, Altes zu kopieren, sondern in seiner Machart zu zitieren. So zieren jetzt Fenster und Türen den Hof, die in ihrer reduzierten Ausführung an typische historische Vorbilder erinnern, ohne diese schlicht zu kopieren. Die Decken wurden mit breiten, acht Zentimeter starken Dielen wieder als frei gespannte Decken mit Schließbohle ausgeführt. Auch alle Innenausbauten wurden in Holz ausgeführt, mit einer Innendämmung aus Zellulose. Die Wandschalung ist im Erdgeschoss mit Altholztäfer gefertigt. Die oberste Geschossdecke ist der Tennenboden, und auch hier ist eine Zellulosedämmung eingebracht. Die Trennung von Ökonomie- und Wohnteil wurde nicht zusätzlich verändert. Der Ökonomieteil ist nicht gedämmt, der Wohnteil wird durch eine Pelletsheizung geheizt. Diese kompakte Sanierungsweise ist als KfW 85-Haus ausgeführt und zeigt, dass auch ein Schwarzwaldhof ohne sichtbare Dämmebenen sehr gut energetisch saniert werden kann. Als Besonderheit ist das Erdgeschoss barrierefrei. In Anlehnung an den ursprünglichen Steinboden ist der Boden in der Küche und im Eingang lediglich ein geglätteter Estrich. Dieser Bereich und die Bäder werden über eine Fußbodenheizung gewärmt. Alle anderen Räume haben graue Röhrenradiatoren.

Erfolgreiche Sanierung

Aus unserer Sicht ist Respekt vor dem historischen Erbe eines Hofes Grundvoraussetzung einer erfolgreichen Sanierung. Ein Schwarzwaldhof ist nicht nur ein beliebiges Gebäude, es ist ein Bauwerk mit Geschichte. Dieses Gefühl fortzuschreiben bedarf Zeit, Geduld, Demut und Fingerspitzengefühl. Wenn am Ende der Hof weiterhin als solcher erkennbar bleibt, dann ist es gelungen.

Die denkmalgerechte Sanierung wurde unterstützt durch Fördermittel des Landesamtes für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart, Dienstsitz Freiburg, sowie der Denkmalstiftung Baden-Württemberg.

Hierfür unseren herzlichen Dank.

Lohn all unserer Bemühungen ist u.a. die Auszeichnung:  Denkmal des Monats April 2017 (PDF)

 

 

Sanierungsabschnitte einzelner Gewerke und Räume

Authentisch und Modern

Zusammenfassung nach der Instandsetzung und Beispiele aus der Sanierungsphase

Der Fußehof in Geroldstal bei Kirchzarten ist ein landschaftsbildprägender Schwarzwaldhof von 1754 der Zimmererfamilie Janz.

2014/15 wurde das Gebäude von Stefan King, Freiburg, dokumentiert und bauhistorisch ausgewertet- In den Jahren 2015/16 fand die gemeinsame Konzeptentwicklung zwischen Bauherr, dem Architekt Herrn Dr. Stefan Blum, der Landesdenkmalpflege und der Denkmalschutzbehörde statt.

Realisiert wurde die Sanierung in den Jahren 2016 bis 2019.

Regionale und bauhistorische Bedeutung

Das Dreisamtäler Becken, mittlerweile durch hohen Siedlungsdruck stark verändert, war über eine lange Zeit durch kompakte dörflich-kleinstädtische Siedlungen und verteilt in der Flur liegende Gehöfte geprägt. Beim Fußehof hat sich ein Ausschnitt dieser Situation eines Eindachhofs mit zugeordnetem Kornspeicher erhalten, da weitere Zubauten wie Nebenhäuser oder dergleichen fehlen.

In bauhistorischer Hinsicht gehört der Fußehof neben dem ebenfalls sehr gut dokumentierten und teilweise rekonstruierten Falkenhof aus Buchenbach (jetzt im Freilichtmuseum in Gutach) zu den unverändert überlieferten Bauwerken der Zimmererfamilie Jantz. Die Familie Jantz (oder auch Janz), ist die einzige Schwarzwälder Zimmererfamilie, die in der Bauforschung namentlich über mehrere Generationen bekannt ist und deren fachliche Entwicklung anhand der Bauwerke nachvollzogen werden kann.

Mitglieder der Familie Jantz bzw. Janz finden sich vielfach in Hofinschriften des 18. Jahrhunderts wieder.  Im Dreisamtal ist der Name Fuß bis heute verbreitet. Einen Fusenhof gibt es in Eschbach und den Fußenhof in Geroldstal. Es existieren unterschiedliche Schreibweisen; von Fus-, Fuß- Fuße-, Fuße-, Fussen- bis zu der geläufigsten von heute, dem Fusenhof.

Die Hofstätte ist allerdings sicherlich viel älter, denn bisher gefundene Referenzen weisen auf einen Bartholomäus Fuß hin. Er wurde ca. 1599 geboren, und verstarb am 09.12.1693 in Geroldstal, Fußenhof. Er heiratete Gertrud Lang. Sie wurde geboren vor 1619, und verstarb am ca. 1663 in Geroldstal, Fußenhof. Andere Textstellen zitieren dies als „Bartlin Fuschs (Fuchs) und seine Frau Gertraut Langin sampt Kindern verehren zu einem neuen Messgewandt...", "Bartholomäus Fuchs (Fuß), geb. 1599, Vogt von Geroldstal, kauft den Fußenhof“. Beide Zitate weisen auf den Ursprung des Namens Fus auf Fuchs hin. Zu dieser Zeit war Geroldstal eine eigenständige Vogtei. Nach der Leidenszeit des Dreißigjährigen Krieges galt es vor allem, das Alltagsleben wieder zu ordnen. Der Viehbestand war dezimiert und vielerorts sind die Bewohner in abgelegene Wälder geflohen. Wahrscheinlich waren es die Früchte des Wiederaufbaus, die den Bau eines Kastens, d. h. eines Kornspeichers, um 1660 am Fusenhof notwendig machte.

Konzept und Umsetzung

Die Entscheidung den Fußehof in einer wenig umfänglichen Wohnnutzung zu belassen und ihn als Ferienhaus zu nutzen, ermöglichte ein sehr zurückhaltendes Gesamtkonzept. Der Wohnteil sollte instandgesetzt, notwendige Nebenräume wie Bäder und ein Heizraum im Stall untergebracht und die einst zweigeschossige Rauchküche wieder geöffnet werden.

Authentisch und Modern

Wiedereröffnung der Rauchküche


Stube mit Herrgottswinkel


Die große Linie der Sanierung war angesichts ihrer Einfachheit also rasch gefunden. In enger Abstimmung mit der Landesdenkmalpflege konnte ein Öffnungs- und Fensterkonzept erarbeitet werden, das neue Wege ging. Die Hauptansichtsseiten sind auch nach der Sanierung im Bereich des Daches geschlossen. Denkmalpflegerin, Bauherr und Architekt erarbeiteten vor dem Hintergrund des Gesamtverlustes der ursprünglichen Fensterausstattung für den Fußehof einen eigenen Fenstertypus, der Bezug zu den Schwarzwälder Schiebefenstern nimmt, ohne diese zu imitieren. Alle Fenster wurde ohne Glasleisten und ohne sichtbare Scharniere in Weißtanne gefertigt, und fügen sich nun harmonisch in das Gebäude ein.

Eingang


Alle Innentüren und Außentüren wurden ebenso aus Weißtanne gefertigt. Die Innentüren wurden nach dem Muster einer alten Tür hergestellt, die Außentüren zitieren eine Wendebohlentür aus nur 2 breiten Dielen. Jegliches Neuholz (siehe Innenansicht Eingangstür) wurde lediglich gebürstet. Alle Beschläge wurden von einem Schmied individuell gefertigt.

Technische und sonstige Ein- und Umbauten

Die technischen Ergänzungen entsprechen dem Üblichen: Elektro, Heizung und Sanitär wurden auf den neuesten Stand gebracht. Die primäre Wärmeversorgung geschieht über eine Pelletsheizung, die sekundäre über einen modern ergänzten Ofen in der Stube. So gut wie alle Elektroleitungen sind nicht sichtbar, und wenn doch, dann wurden textilummantelte Kabel verwendet, zusammen mit schwarzen Renova Schaltern (Schneider Elektrik). Die Beleuchtung ist sehr zurückhaltend ausgeführt, mit 2 Pendelleuchten in der Küche und sonst ausschließlich mit LED-Wandleuchten in einer Keramikfassung. Bis auf die Bäder, wurde die Verwendung von Fliesen vermieden. Stattdessen wurde ein geschliffener und nicht mit PVC-versiegelter Estrich eingebaut, der lediglich mit Steinseife gereinigt wird. Energetisch konnte durch den Einbau einer Zellulosedämmung ein Standard erreicht werden, der dezent besser als Neubaustandard ist.

Fazit

Durch das Nutzungskonzept und der sehr zurückhaltenden Sanierung ist es gelungen, den Fußehof als typischen Eindachhof in seiner Grundstruktur komplett zu erhalten (Anlage 6).  Alle Bestandteile wie, Stall, Heuboden, Tenne, Wohnteil und Knechtskammern sind ablesbar.

Damit ist er weithin als prägendes Baudenkmal im oberen Dreisamtal sichtbar. Durch die Vermietung als Ferienhaus, können nicht nur die Eigentümer dieses Hof erleben, sondern auch Gäste als Ferien im Baudenkmal.